Ein wenig Geschichte

Bis zum 10. Jahrhundert, dem wohl finstersten in der Geschichte des Piemont, wurde die Region nacheinander von den Ligurern, Kelten und Langobarden beherrscht. Sie alle nutzten die strategisch wichtige Lage des Piemont am Fuß der Alpen wegen des Zugangs zu den Alpenpässen. Im 10. Jahrhundert wurde das Piemont von den Sarazenen fast völlig verwüstet, die Städte zerstört. Die Menschen verließen die Gegend, das kulturelle Leben erlosch.

Im 11. Jahrhundert begann der Aufstieg der Städte zu Stadtrepubliken, was wiederum zu Konflikten mit dem Adel führte, der seine Macht auf dem Land zu halten versuchte. Der Kampf aller gegen alle - Stadtrepubliken untereinander, Saluzzer, Savoyer, Monferrater Markgrafen, Papsttreue - führte wieder zu starken Verwüstungen und Neugründungen von Siedlungen an strategisch wichtigen Stellen.

1416 wurde die Grafschaft Savoyen Herzogtum. Ab 1494 wurde das Piemont wieder Schauplatz von Machtkämpfen, als zwei französische Könige nacheinander Feldzüge unternahmen, um Mailand zu erobern. Innerhalb von 50 Jahren wurde das Piemont von durchziehenden Söldnerheeren erneut völlig verwüstet. Mit dem Friedensvertrag von Cateau-Cambrésis endete 1559 der Krieg zwischen Frankreich und dem habsburgisch-spanischen Reich Karls V. Das französisch beherrschte Piemont kam zum größten Teil wieder an die Savoyer zurück. Als die Savoyer ihre Residenz nach Turin verlegten und Turin zur Hauptstadt des Herzogtums machten, begann der Aufstieg der bislang eher unbedeutenden Stadt. Fast drei Jahrhunderte lang blieb Turin die Hauptstadt des Herzogtums, vier Jahre lang war sie Hauptstadt Italiens (1861 - 1865).

Im spanischen Erbfolgekrieg zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Piemont erneut Kriegsschauplatz. Nach dem Friedensschluss bekamen die Savoyer die Markgrafschaft des Monferrato und verfügten nun über alle drei alten Herrschaftsbereiche des Piemont. 1718 wurden die Savoyer zu den Königen von Sardinien-Piemont ernannt. In der Königsresidenz Turin begann eine rege, fast verschwenderische Bautätigkeit, Turin wurde zur barocken Residenzstadt. 1796 fiel das Piemont in die Hände der französischen Revolutionäre, 1799 an die Österreicher. Nach dem Sieg Napoleons über die Habsburger blieb das Piemont 12 Jahre lang französisch. Auf den Sturz Napoleons folgte im Piemont die Reaktion. Der Adel, der die Zeit im sizilianischen Exil verbracht hatte, übernahm die Macht und das Piemont wurde zu einem reaktionären Feudalstaat. Die Revolution wurde 1821 von König Carlo Felice mit einem österreichischen Heer niedergeschlagen. Karl Albert von Piemont führte 1848/49 die Unabhängigkeitsbewegung gegen die Österreicher, die jedoch im März 1849 bei Novara mit einer militärischen Niederlage endete.

Erst der zweite italienische Unabhängigkeitskrieg 1859 mit Unterstützung Napoleons III. von Frankreich war erfolgreich. Nach der nationalen Einigung Italiens wurde Vittorio Emanuele von Sardinien-Piemont 1861 erster König von Italien. Vier Jahre lang blieb Turin die Hauptstadt des Landes, dann wurde das Parlament nach Florenz und wenig später nach Rom verlegt. Das Piemont und Turin verloren seine Bedeutung bis 1899 Giovanni Agnelli am Stadtrand von Turin seine erste FIAT-Fabrik eröffnete. Damit begann für Turin die Entwicklung als einer der bedeutendsten Industriestandorte des Landes.

Im zweiten Weltkrieg waren die Piemonteser massgeblich am Partisanenkrieg gegen das faschistische Regime Mussolinis beteiligt. Rund die Hälfte der Kämpfer, die die Alliierten hinter den Fronten unterstützten, kam aus der Region Piemont.

In den 1950/60er Jahren zogen Massen von Immigranten aus dem Süden Italiens nach Turin um dort zu arbeiten. 1970 wurde das Piemont eigenständige Region in Italien. Im Jahr 2006 wird das Piemont ins Blickfeld der sportinteressierten Weltöffentlichkeit rücken, wenn dort die Winterolympiade ausgerichtet wird.